Group size influencing factors and social structure
of Indo-Pacific bottlenose dolphins (Tursiops aduncus) in the Northern Egyptian Red Sea
Im Rahmen seiner Masterarbeit in der Verhaltensbiologie an der Universität Zürich und in Zusammenarbeit mit Dolphin Watch Alliance erhob Marc Frei im Februar/März und August/September 2020 Forschungsdaten über die Indopazifischen Grossen Tümmler im ägyptischen Roten Meer. Er erforschte, ob und wie bestimmte Faktoren die Gruppengrösse beeinflussen können. Verhaltensdaten wurden vom Boot, aber auch beim Tauchen und Schnorcheln gesammelt. Er konnte zeigen, dass das Verhalten nicht nur die Grösse der Gruppen, sondern auch der kleineren Untergruppen beeinflusst. Beispielsweise zeigte sich, dass sich die Delfine temporär in kleine Untergruppen während dem Spielen aufteilen können, währenddem sich in der Regel viele Individuen zusammenschliessen und eng nebeneinander schwimmen, wenn sie schlafen.
Wenn Kälber Bestandteil einer Gruppe sind, steigt die Gruppengrösse fast linear zur Kälberanzahl an. Ob der Anstieg der Gruppengrösse bei Kälberpräsenz einzig auf die Anzahl geschlechtsreifer Weibchen zurückzuführen ist oder dies z.B. durch Babysitting oder erhöhten Schutz vor Feinden durch Präsenz von mehr Individuen erklärt werden könnte, müssten weitere Analysen zeigen. Da somit bei grösseren Gruppen die Chance steigt, dass die Gruppe schläft und Kälber Teil davon sind, ist dies auch von Relevanz für den Delfintourismus und -schutz. Die Kälber sind die verletzlichsten Individuen, auch da sie praktisch nur während des Schlafens gesäugt werden. Wenn sie dabei dauernd gestört werden, werden sie geschwächt, was einen negativen Einfluss auf die Gesundheit der Population haben kann. Im Frühling und Sommer, wenn es häufiger zu Fortpflanzungen kommt und somit mehr Individuen auf einmal zusammentreffen, sind die Gruppen zudem grösser als im Herbst und Winter.
Als zweiten Aspekt untersuchte er die komplexe Sozialstruktur der Indopazifischen Grossen Tümmler genauer. Hierfür wurden Foto-Identifikationsdaten der Tiere (v.a. Bilder der Rückenflosse, aber auch der Brust- und Schwanzflosse) erhoben und mit deren Hilfe soziale Netzwerke (Social Network Analysis) erstellt. Er fand heraus, dass das Geschlecht und der Verwandtschaftsgrad die Stärke der sozialen Bindungen der Delfine beeinflussen. Aufgrund der stabilen Allianzen von erwachsenen Männchen waren Männchen-Männchen-Bindungen die stärksten und Männchen-Weibchen-Bindungen die instabilsten. Es wurde beobachtet, dass erwachsene Töchter auch nach der Entwöhnung noch häufig mit ihren Müttern unterwegs sind und sich vermutlich auch als Babysitter von jüngeren (Halb)-Geschwistern betätigen. Abschliessend kann festgehalten werden, dass Weibchen zwar flexiblere Bindungen zu anderen Weibchen als die Männchen-Allianzen haben, jedoch gibt es auch hier Freundschaften/bevorzugte Assoziationen.
Autor: Marc Frei, Dolphin Watch Alliance, Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften, Universität Zürich, Winterthurerstrasse 190, 8057 Zürich;
Betreuung durch: Angela Ziltener: Dolphin Watch Alliance, Institut für Evolutionäre Anthropologie, Universität Zürich, Winterthurerstrasse 190, 8057 Zürich;
Prof. Dr. Marta Manser: Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften, Universität Zürich, Winterthurerstrasse 190, 8057 Zürich;
Prof. Dr. Michael Krützen: Institut für Evolutionäre Anthropologie, Universität Zürich, Winterthurerstrasse 190, 8057 Zürich
Korrespondierender Autor: Marc Frei, marc.frei96(at)gmail.com
