Selbst-Reibeverhalten

an Gorgonien (Rumphella aggregata) bei Indopazifischen Grossen Tümmlern (Tursiops aduncus) vor Hurghada, nördliches Rotes Meer, Ägypten

Es wurden mehrere Hypothesen zur funktionellen Rolle des Selbst- oder Objektreibens bei Zahnwalen aufgestellt. Dazu gehören Hygiene (z. B. die Entfernung von Ektoparasiten), sinnliches Vergnügen, Spiel und soziale Interaktion. Systematische Beobachtungen im Gebiet um Hurghada am nördlichen ägyptischen Roten Meer zeigten, dass Indopazifische Tümmler (Tursiops aduncus) sich regelmäßig an Gorgonien (Rumphella sp.) rieben. Aus Stichproben von Videoaufnahmen, die beim Tauchen gemacht wurden, ging hervor, dass sich Delfine den Gorgonien näherten und sich dann mit dem Körper daran rieben, während sie sich auf die Seite, den Rücken und den Bauch rollten. Dieses Verhalten wird oft wiederholt, und die Tiere reihen sich hintereinander ein, um auf ihre nächste Annäherung zu warten.

Wir stellen die Hypothese auf, dass das Reiben an Gorgonien (im Folgenden „Gorgoning“) eine vorbeugende oder sogar therapeutische Selbstmedikation darstellt. Frühere Studien zeigen, dass Gorgonien antibakterielle und antimykotische Eigenschaften besitzen. In den kommenden Monaten wollen wir Rumphella sp. auf ihre biologisch aktiven Verbindungen untersuchen. Darüber hinaus wird die Gruppen- und Altersstruktur der Delfine, die Gorgoning betreiben, untersucht. Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um zu bestätigen, ob das Gorgoning als erster dokumentierter Fall von Zoopharmakognosie (Selbstmedikation) bei einer Wal- resp. Delfinart gilt.

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A. Ziltener ¹, S. Kreicker ¹

¹ Anthropological Institute and Museum, University of Zurich, CH-8057 Zurich, Switzerland

Korrespondierende Autorin:
Angela Ziltener
Anthropologisches Institut & Museum, Universität Zürich
Winterthurerstr. 190, CH-8057 Zürich