Angela Ziltener ¹ ², Sina Kreicker ¹ ², Sandra Gross ¹ ²
¹ Anthropological Institute and Museum, University of Zurich, CH-8057 Zurich, Switzerland
² Dolphin Watch Alliance, Switzerland
Korrespondierende Autorin
Angela Ziltener
Anthropologisches Institut & Museum, Universität Zürich
Winterthurerstr. 190, CH-8057 Zürich
Selektives Selbst-Reibeverhalten
bei Indopazifischen Grossen Tümmlern (Tursiops aduncus) vor Hurghada, nördliches Rotes Meer, Ägypten
Zu den Hypothesen über die funktionelle Rolle des Selbstreibens oder des Reibens an Gegenständen bei Zahnwalen zählen Hygiene (z. B. Entfernung von Ektoparasiten), sinnliches Vergnügen, Spiel und Sozialisierung. Selbstreiben wurde bisher nur bei wenigen Zahnwalen beschrieben, die sich an Untergründen wie Sand, Kieselsteinen, Seegras oder Felsen reiben. Das Reiben an Korallen wurde jedoch noch nicht beschrieben, was wahrscheinlich auf die Einschränkungen bei Beobachtungen vom Boot aus und/oder das Fehlen von Korallen an den verschiedenen Untersuchungsstandorten oder sogar auf kulturelle Unterschiede der Populationen zurückzuführen ist. In der Umgebung von Hurghada (nördliches ägyptisches Rotes Meer) werden Indopazifische Grosse Tümmler (Tursiops aduncus) durch eine einzigartige Kombination aus Über- und Unterwasserbeobachtungen systematisch untersucht. Die Auswertung von Unterwasservideoaufnahmen, die beim Tauchen gemacht wurden, zeigte, dass Delfine ihren Körper an Sand, Seegras und verschiedenen Korallenarten reiben.
Delfine scheinen sich für das Reiben von unterschiedlichen Körperteilen gezielt an bestimmte Korallen anzupassen. Während sie ihren gesamten Körper an Sand, Seegras und Gorgonien (Rumphella aggregata) reiben, wählen Delfine Lederkorallen (Sarcophyton sp.) und Schwämme (Callyspongia sp.) aus, um vor allem ihren Kopfbereich, ihre Bauchseite und ihre Schwanzflosse daran zu reiben. Bestimmte Hartkorallen (Favia sp.) werden ausschliesslich zum Reiben der Ränder der Brustflossen genutzt. Diese Studie beschreibt erstmals in diesem Ausmass die Selektivität beim Selbstreiben bei einer Zahnwal-Art, sowohl hinsichtlich der Körperteile als auch der beteiligten Korallenarten. Sie deutet darauf hin, dass Delfine in ihrer natürlichen Umgebung möglicherweise ein grundlegendes Bedürfnis nach Selbstreiben haben, was wiederum Auswirkungen auf das Wohlergehen von Zahnwalen in Gefangenschaft hat.

